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Open-Source-Systeme im Bereich Contentmanagement- und Produktinformationsmanagement |
Programme wie das Web-Content-Management-System
(WCMS) Typo3 sind inzwischen auch in Industrieunternehmen und im
technischen Handel auf Erfolgskurs. Open-Source-Werkzeuge sind jedoch
nicht in jedem Fall die beste Lösung.
Diesen Beitrag stellt zur Verfügung:
Alexander Pircher, infolox GmbH
Gerade mittelständische Unternehmen sind auf der Suche nach
einer kostengünstigen Lösung für ihren Internetauftritt.
Die Software sollte alle Funktionalitäten beinhalten, die man
überlicherweise auf Webseiten findet: Sie sollte mehrsprachig
sein, auch die Verarbeitung und Darstellung der Daten aus dem Enterprise-Resource-Planning-
(ERP) bzw. Produktinformationsmanagement-System (PIM) ist wünschenswert.
Eine solche eierlegende Wollmilchsau ist jedoch kaum zu finden,
die Suche wird schnell zur Sisyphusarbeit. Meist wird aus dem Bereich
lizenzierter Standard-Produkte ein mehr oder weniger passendes Programm
ausgewählt. Dabei wird häufig ein mittlerweile beachtenswertes
Angebot übersehen: das der Open-Source-Lösungen.
Open Source hat sich in den letzten Jahren in den unterschiedlichsten
Ausprägungen etabliert. Spätestens seit dem Siegeszug
des Betriebssystems Linux stehen Alternativen zu marktbeherrschenden
Produkten zur Verfügung.
Drei Auswahlkriterien
Im WCMS-Bereich ist Typo3 auf dem Vormarsch. Das erstmals
1998 erschienene, lizenzkostenfreie Open-Source-System ist für
einfache bis komplex strukturierte Webseiten geeignet. Es basiert
auf der serverseitigen Skriptsprache PHP, als Datenbank wird MySQL
verwendet. Aktuelle Schätzungen besagen, dass es weltweit bereits
mehr als 200.000 Mal eingesetzt wird. Anwender sind u.a. Unternehmen
wie die MAICO Elektroapparate-Fabrik GmbH, die Walter Bösch
KG, die PFEIFER-Firmengruppe die Röfix AG oder die schweizerische
Kontakt Systeme AG.
Typo3 stellt etwas höhere Anforderungen an die Leistungs-
und Konfigurationsfähigkeit des verwendeten Servers und an
das Know-how und Engagement des Administrators bzw. Dienstleisters.
Dagegen können Redakteure bereits nach kürzester Zeit
Inhalte erfassen. Das Werkzeug ist benutzerfreundlich und intuitiv
bedienbar. Texte, Bilder und andere Multimedia-Daten lassen sich
über eine einfache grafische Oberfläche einpflegen. Auch
komplexe Webseiten können mit wenigen Mausklicks und ohne HTML-
und XML-Kenntnisse organisiert, verwaltet und gepflegt werden. Design
und Content lassen sich getrennt voneinander verwalten.
Für Kunden aus Industrie und Handel wird eine solche Open-Source-Lösung
erst mit einer entsprechend großen Community und vielen, regional
verteilten Unternehmen interessant, die Beratung, Integration und
Support leisten können. Im Wesentlichen gibt es bei der Softwareentscheidung
drei ausschlaggebende Faktoren: Funktionalität, Risiken und
Kosten (TCO, Total Cost of Ownership). Die Funktionalität sollte
die Anforderungen des Unternehmens abdecken, die Risiken sowie die
TCO sollten so gering wie möglich sein.
Typo3 erfüllt alle drei Kriterien. Die Funktionalität
ist für 90 % der Unternehmen mehr als ausreichend. Zu den Leistungsmerkmalen
zählen Mehrsprachigkeit, Übersetzung via Translation Memories,
Ankopplung an ERP- und PIM-Systeme, Freigabe-Workflows usw. Die
TCO liegt gerade bei großen Projekten meist deutlich unter
der von Standard-Software-Produkten. Eine stetig wachsende Zahl
von Beratungsunternehmen und Implementierungspartnern übernimmt
Dienstleistungen und Support. Die 2004 gegründete Typo3-Association
leitet die momentan wohl größte "Entwicklungsabteilung"
der Welt. Die Förderung der Weiterentwicklung mit Mitteln von
Mitgliedern und Sponsoren stellt die Zukunft der Software sicher.
Vor- und Nachteile von Typo3 im Überblick
Vorteile
- Lizenzkostenfrei
- Bedienung und Wartung durch den Redakteur über Webbrowser,
zusätzliche Software ist nicht erforderlich
- Eingabe von Inhalten über einen frei definierbaren Rich-Text-Editor
oder direkt im Internet
- Mehrsprachigkeit von Front- und Backend
- Content ist zeitgenau steuerbar, Inhalte können nur von
Berechtigten eingesehen werden
- Inhalte sind an verschiedenen Stellen wiederverwendbar
- Konfigurierbare Zugriffsbeschränkung
- Vordefinierte Formatvorlagen (Templates)
- Erweiterungen und Spezialentwicklungen sind integrierbar
- Derzeit sind ca. 1700 Erweiterungen (News, Shop-Systeme, Diskussionsforen,
Statistikmodule usw.) erhältlich
- Regelmäßige Updates, kleine Änderungen sind
in Eigenregie durchführbar
- Große, weltweite Anwender- und Entwicklergemeinde
- Gute Hilfefunktion (auch teilweise in Deutsch)
Nachteile
- Keine Gewährleistung eines Software-Herstellers, da Open-Source
- Viele, teilweise ungeprüfte Erweiterungsmodule erschweren
den Überblick über die mögliche Funktionalitäten
- Geringfügig höherer Einarbeitungsaufwand für
Administratoren
- Geringfügig höhere Serveranforderungen in Bezug auf
Leistungs- und Konfigurationsfähigkeit
- Geringfügig höherer Aufwand bei der erstmaligen Konzeption
und Konfiguration
Kombination von Open-Source- und Lizenz-Software: Gemeinsam
zum Erfolg
Open-Source-Lösungen werden sich langfristig vor allem
in Bereichen durchsetzen, die für praktisch jedes Unternehmen
relevant sind. Das gilt für WCMS, aber auch für die Pflege
von Kontakt- und Kundendaten und damit für den Einsatz von
Customer-Relationship-Management-Software (CRM). Dagegen haben nur
vergleichsweise wenige Unternehmen Bedarf an einer medienneutralen
Verwaltung von Produktinformationen und der Automatisierung von
Publishing-Prozessen. Diese benötigen ein Produktinformationsmanagement-System
(PIM). Für die jeweils speziellen Anforderungen müssten
sehr viele unterschiedliche Module mit sehr geringem Verbreitungsgrad
entwickelt werden. Es ist daher effektiver, ein branchenspezifisches
Nischenprodukt eines herkömmlichen Anbieters im Bereich lizenzierter
Software zu wählen.
Viele Unternehmen, die immer noch die eierlegende Wollmilchsau
suchen, werden früher oder später feststellen, dass es
sie nicht gibt. Sinnvoller ist eine Kombination aus Lizenz-Software
für individuelle, beratungsintensive Prozesse und einer Open-Source-Lösung
für standardisierte Aufgaben. Im WCMS-Bereich gibt es mit Typo3
bereits ein Open-Source-Produkt, das sich weltweit im Praxiseinsatz
bewährt hat und weiter auf Erfolgskurs bleiben wird.

Typo3 im Umfeld von Industrieunternehmen mit PIM und ERP-System
Fazit
Für viele Unternehmen bietet sich eine Kombination aus Lizenz-Software
für individuelle, beratungsintensive Prozesse und einer Open-Source-Lösung
für standardisierte Aufgaben und Prozesse an.
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