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Aktuelle Analyse: Ariba und FreeMarkets - Verstärkte Konkurrenz für ERP-Anbieter im SRM-Markt?


Der Markt für IT-Lösungen zur Unterstützung des Supply Managements ist kräftig in Bewegung. Das zeigt der am Freitag angekündigte Verkauf von FreeMarkets durch Ariba für 493 Mio US$. Erst vor vier Wochen hatte FreeMarkets angegeben, das Auktionsgeschäft von Covisint zu übernehmen, einem B2B-Marktplatz für die Automobilindustrie. Auch Ariba hat schon vorher zugekauft, vor wenigen Wochen Alliente, einen Anbieter von Business Process Outsourcing für die Beschaffung und vor einem Jahr Goodex, einen kleineren Wettbewerber von FreeMarkets aus Deutschland.

Sowohl FreeMarkets als auch Ariba sind in Deutschland aus der Zeit der B2B-Marktplatz-Euphorie bekannt. FreeMarkets wurde mit seiner internet- basierten Plattform für Beschaffungsauktionen bekannt und deshalb häufig selbst als Marktplatz eingestuft. Ariba war als Technologielieferant für Marktplätze (und Betreiber eines eigenen Trading Networks) bekannt, war allerdings immer auch Softwareanbieter für das Management von Einkaufsprozessen. Mittlerweile haben aber beide Firmen die B2B-Marktplätze weit hinter sich gelassen.

Im Fokus beider Anbieter steht heute die IT-Unterstützung des Beschaffungsmanagements. Denn in vielen Unternehmen hat die Einkaufsabteilung in den letzten Jahren im Zuge von Globalisierung und abnehmender Fertigungstiefen an strategischer Bedeutung gewonnen. Mit diesem Bedeutungszuwachs ist auch der Beschaffungsprozess deutlich komplexer geworden. Zur optimalen Auswahl von und Zusammenarbeit mit den Lieferanten müssen mehr und bessere Informationen aus allen Bereichen des Unternehmens zusammengefasst und aufbereitet werden als bisher. Gleichzeitig sollen Beschaffungsprozesse, von der Auswahl von Lieferanten über die Preisverhandlung bis hin zum Bestellen eines Bleistifts besser elektronisch unterstützt werden. Spezielle IT-Lösungen, die oft unter dem Begriff Supplier Relationship Management (SRM) zusammengefasst werden, versprechen dies zu leisten.

Sowohl Ariba als auch FreeMarkets sind ernsthafte Player im SRM-Markt. Der Schwerpunkt von Ariba lag bisher auf Softwarelösungen für verschiedene Komponenten des SRM. Kern von Aribas Wertversprechen und auch Kernelement von SRM ist das Enterprise Spend Management, die Verfolgung, Aufbereitung und Analyse aller Ausgabenströme eines Unternehmens. Aribas Lösungen sind bislang besonders in solchen Branchen zum Einsatz gekommen, wo diese Ströme komplex sind, also durch die Analyse der Ausgaben, Optimierung der Lieferanten und bessere Zusammenfassung von Bestellungen deutlich Kosten eingespart werden konnten.

Im Gegensatz zu Ariba ist FreeMarkets eher ein Dienstleister als ein Softwareverkäufer. Bekannt ist FreeMarkets durch seine Internet-Auktionsplattform und durch die komplette Durchführung von Beschaffungsauktionen mit den dazugehörigen Dienstleistungen. Der Fokus des Unternehmens liegt auf Branchen, in denen zentrale Beschaffungsauktionen große Ersparnisse bringen können, etwa in der Automobilindustrie.

Durch den Zusammenschluss entsteht also ein größerer Akteur im SRM-Markt, der sowohl Software für große Teile des Beschaffungsprozesses als auch Dienstleistungen für die Beschaffung anbieten kann, und dessen bisherigen Kunden eine Reihe von Branchen abdecken. Durch die Akquise von FreeMarkets und Alliente bekommt Ariba außerdem zusätzliches Wissen über die spezifischen Einkaufsprobleme und Optimierungspotenziale für eine Reihe von Branchen und Einkaufskategorien (z.B. Geschäftsreisen, Verpackung, Transport). Ariba selbst sieht in den Kenntnissen der Kategoriebesonderheiten einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil.

Damit verfolgt Ariba mit dieser Fokussierung auf Einkaufskompetenz einen anderen Zugang zum Markt als die mächtigen Wettbewerber aus dem ERP-Umfeld, die sich ebenfalls das Thema SRM auf die Fahnen geschrieben haben. Unternehmen wie SAP, Peoplesoft oder Oracle können ihre SRM-Lösungen als Ergänzung von bereits in den Unternehmen installierten ERP-Lösungen verkaufen. Da viele für SRM notwendige Informationen bereits in den ERP-Systemen erfasst werden, bietet sich diese Ergänzung an. Statt auf zusätzliche Dienstleistungen rund um den Einkaufsprozess und auf kategoriespezifisches Einkäuferwissen setzen diese Anbieter also eher auf die eigene IT-Kompetenz, die installierte Basis und den Wunsch nach reibungsloser Zusammenarbeit der IT-Komponentent.

Derzeit ist noch weitgehend offen, welcher Marktzugang sich letztendlich als der beste erweisen wird. Denn der Markt für SRM-Lösungen und seine Komponenten ist noch nicht sehr weit entwickelt. Viel wird im Einzelfall davon abhängen, ob eher die Einkaufsabteilung oder eher die Unternehmensführung die Entscheidungen über den Einsatz von IT-Lösungen trifft. Außerdem ist die Frage von Bedeutung, ob externes Know-how und externe Dienstleistungen gewünscht sind, oder ob ein Unternehmen diese selbst besitzt und "nur" IT-Unterstützung der Prozesse sucht.

In jedem Fall belegt der Kauf von FreeMarkets durch Ariba die anhaltende Konsolidierung unter kleineren Technologieanbietern in diesem Markt. Bei der nach wie vor recht großen Zahl kleiner und auf Teile des Supply Managements spezialisierter Anbieter im Markt wird dies sicher nicht die letzte Fusion gewesen sein.

Dr. Thorsten Wichmann (tw@berlecon.de)

 

 

 



 

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