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ebXML - Austausch im großen Format

Autor: Johannes Hentrich
Erscheinungstermin: 26. März 2002

Der automatische Austausch von Bestellungen und Rechnungen gehört heute zum Standard bei XML-Geschäftssprachen. ebXML will aber mehr: die Abbildung jeglicher geschäftlichen Interaktionen und Transaktionen über Industriegrenzen hinweg. Der folgende Beitrag zeigt, wie ebXML diese Herausforderung bewältigen will.

EDI und XML

Zwei Konzepte treffen bei ebXML (Electronic Business XML) aufeinander: EDI (Electronic Data Interchange) und XML (eXtensible Markup Language).

Mit EDI können Geschäftspartner ihre Geschäftskommunikation automatisieren, indem die elektronischen Geschäftsdokumente direkt zwischen ihren Systemen ausgetauscht werden. Zum einen können damit die Dokumentenverarbeitungskosten reduziert werden und zum anderen werden die Durchlaufzeiten verringert. Durch die Automatisierung der Geschäftstransaktionen werden beispielsweise Just-in-Time-Produktionen möglich.

XML hat sich in zwischen zu einem Standard für den Datenaustausch im Internet etabliert. Die einfache Handhabbarkeit und die Erweiterungsmöglichkeiten von XML haben dazu geführt, dass XML zunehmend auch bei elektronischen Geschäftstransaktionen eingesetzt wird.

Da XML die Definition von Datenaustauschformaten erlaubt und es prinzipiell möglich ist DTDs (Document Type Definitions) zu erzeugen, die den EDI-Nachrichten semantisch ähnlich sind, liegt es Nahe, XML-basierte Sprachen für EDI zu nutzen. Die beiden Organisationen OASIS (Organization for the Advancements of Structured Information Standards) und die UN/CEFACT (United Nations Centre for Trade Facilitation and Electronic Business) starteten daher eine gemeinsame Initiative zur Schaffung eines globalen elektronischen Marktes auf der Basis von XML: ebXML. Ziel war es, nicht nur bestehende EDI-Standards mit XML zu formulieren, sondern vor allem XML bei der Prozessbeschreibungen und den objektorientierten Arbeiten zu verwenden.

Insgesamt wurden die Anforderungen, die ebXML erfüllen soll, wie folgt definiert:

  • Der elektronische Geschäftsverkehr soll so einfach wie möglich gemacht werden.
  • Ein offener Standard soll dafür sorgen, dass elektronische Transaktionen sowohl über Industriegrenzen hinweg als auch für den Business-to-Business- und den Business-to-Consumer-Commerce möglich sind.
  • Ein gangbarer und effizienter Übergang zwischen traditionellen EDI-Systemen und den unterschiedlichen XML-basierten E-Business-Standards soll ermöglicht werden.
  • Verschiedene XML-Geschäftssprachen sollen in einer einzigen Spezifikation zusammengeführt werden.
  • Es sollen Lösungen vermieden werden, die es verlangen, dass die Anwender in proprietäre Software investieren müssen.
  • Die Kosten sollen auf eine Minimum reduziert werden.
  • Es sollen mehrere Sprachen und unterschiedliche internationale Handelsformen unterstützt werden.

Die Technologie hinter ebXML

ebXML besteht aus einer Reihe von Modulen, den so genannten „building blocks“, die jeweils bestimmte Bereiche bei den geschäftlichen Transaktionen abdecken.

Messaging

Viele Unternehmen, die sich für ebXML interessieren, wenden sich häufig zuerst den Messaging-Funktionen von ebXML zu. Bei ebXML-Spezifikation wurde darauf Wert gelegt, dass Handelspartner weiterhin bestehende Kommunikationswege nutzen können und dabei zusätzlich eine zuverlässige, sichere, dauerhafte und erweiterbare Kommunikationsmethode zur Verfügung steht. Um diesen Anforderungen genügen zu können, verwendet ebXML das Nachrichtenformat SOAP (Simple Object Access Protocol). SOAP ist eine XML-Anwendung, bei der auch Attachments über das MIME-Protokoll (Multipurpose Internet Mail Extensions) angehängt werden können.

Die ebXML/SOAP-Spezifikation beschreibt sehr detailliert sowohl die Struktur der Nachrichten, die zwischen Handelspartners ausgetauscht werden können als auch die Informationen für Routing- und Transportmechanismen des Nachrichtenformats. Die folgende Abbildung zeigt den Aufbau einer ebXML/SOAP-Nachricht.

Abbildung 1: Der Aufbau einer ebXML/SOAP-Nachricht.

Die Kommunikationsprotokolle wie HTTP, SMTP oder FTP bilden die äußere Schicht des Nachrichtenpakets. Als nächstes folgt der MIME-Umschlag. In ihm sind die beiden Hauptbestandteile der Nachricht enthalten: der Kopf und der Payload (was soviel wie Nutzlast bedeutet). Im Kopf, der aus dem SOAP-Header und SOAP-Body besteht, sind die Informationen zur Adressierung der Nachricht enthalten. Im Payload befinden sich die eigentlichen Geschäftsdaten. Eine Nachricht kann mehrere Payloads enthalten.

Die ebXML-Spezifikation ist darauf ausgerichtet, dass Nachrichten zuverlässig übermittelt werden. So wird beim Empfang einer Nachricht stets eine Empfangsbestätigung zum Sender geschickt und die Nachricht wird dort dauerhaft in einem Repository gespeichert. Wenn der Sender keine Empfangsbestätigung erhalten hat, so wird er ebenfalls darüber benachrichtigt. Auch die Nachrichten des Senders werden dauerhaft in einem Repository gespeichert. So kann jederzeit der Nachrichtenfluss zwischen den beteiligten Parteien nachvollzogen werden.

Geschäftsprozesse (Business Processes)

Ein weiterer Schwerpunkt von ebXML ist die Möglichkeit, Geschäftsprozesse aus den unterschiedlichsten Industriezweigen abbilden zu können. Als Modellierungswerkzeuge können beispielsweise UML (Unified Modeling Language) oder andere formale Methoden zu Prozessbeschreibung verwendet werden. Bei ebXML können die Geschäftsprozesse aber auch direkt in entsprechende XML-Dokumente übertragen werden.

Bei den Geschäftsprozessen werden die Aktivitäten und die Interaktionen der einzelnen Geschäftspartner mit dem in der Industrie üblichen Business-Vokabular beschrieben. Die Geschäftsprozesse definieren die Dienstleistungen und Services, die möglichen Nachrichtentypen und den Inhalt der Geschäftsdokumente, die zwischen den Geschäftspartnern ausgetauscht werden.

Da ebXML die Möglichkeit bietet, Geschäftsprozesse konsistent beschreiben zu können, können einmal beschriebene Geschäftsprozesse in bei ähnlichen Geschäftssituationen wiederverwendet werden. So kann beispielsweise kann die Prozessbeschreibung einer Kreditkartenzahlung in vielen unterschiedlichen Industrien verwendet werden.

Handelspartnerprofile

Bevor Unternehmen ihre Geschäftsprozesse automatisieren können, müssen die beteiligten Parteien zunächst überprüfen, in welcher Form sie miteinander interagieren zu können. Erst nach einer entsprechenden Festlegung und Vereinbarung können Unternehmen damit beginnen, standardisierte Nachrichten und Geschäftsdokumente auszutauschen.

ebXML vereinfacht den Prozess der technischen Zusammenführung von Unternehmen, die in der Lage sind, elektronische Geschäftstransaktionen durchführen zu können. Über ein so genanntes CPP (collaboration protocol profile) kann ein Unternehmen in einem XML-Dokument hinterlegen, welche Geschäftsprozesse, Nachrichtenformate, Schnittstellen usw. es unterstützt. Findet ein anderes Unternehmen ein Unternehmen mit einem passenden CPP, so können beide Unternehmen eine entsprechende Vereinbarung über den Austausch von Geschäftsdokumenten vereinbaren. Dies geschieht wiederum mittels eines XML-Dokuments, das als CPA (collaboration protocol agreement) bezeichnet wird. In einem CPA werden nur die technischen Details festgehalten, die für die automatisierte Durchführung von Geschäftstransaktionen notwendig sind. Darüber hinaus gehende Informationen, wie zum Beispiel rechtliche Fragen, können in einem zusätzlichen XML-Dokument festgehalten werden, das als TPA (trading partner agreement) bezeichnet wird.

Registries und Repositories

Bei so genannten „Registries“ können Unternehmen ihre modellierten Geschäftsprozesse, Nachrichtenformate, CPPs usw. registrieren lassen. Daneben dienen Registries als eine Art von Kontaktstellen, bei denen es möglich ist, andere Unternehmen zu finden, die in der Lage sind, elektronische Geschäftstransaktionen durchführen zu können. Aus diesem Grund werden Registries auch eine zentrale Rolle bei ebXML eingeräumt, da über Registries Unternehmen auf unkomplizierte Art nach elektronischen Geschäftspartnern Ausschau halten können und bei einer erfolgreichen Suche auch relativ schnell mit dem Austausch von elektronischen Geschäftsdokumenten beginnen können. Somit wird über Registries auch die schnelle Verbreitung des Standards ebXML gefördert.

Bei einer Registry werden die registrierten Geschäftsprozesse, Nachrichtenformate, CPPs usw. nur aufgelistet. Die entsprechenden XML-Dokumente werden in einem Repository gespeichert. Der Zugriff auf das Repository erfolgt über einen Index aller gespeicherten Elemente, die auf den Registries zur Verfügung gestellt wird. Die Interaktion mit Registries bzw. Repositories kann sowohl manuell als auch automatisch erfolgen. Dabei werden die gleichen XML-Nachrichtentypen verwendet, die auch Geschäftspartner bei ihren elektronischen Geschäftstransaktionen verwenden.

Neben XML-Dokumenten können noch folgende Elemente bei Registries registriert und bei Repositories gespeichert werden:

  • XML DTDs
  • Software-Programme und Skripte
  • Tabellen und Listen, z.B. für Maßeinheiten und Währungen
  • Terminologiedefinitionen
  • EDI-Implementationen und entsprechende Handbücher

Core Components

Elektronische Geschäftstransaktionen über mehrere Industriezweige hinweg werden häufig dadurch erschwert, dass in den einzelnen Industrien unterschiedliche Bezeichnungen für die selbe Sache verwendet werden. So wird beispielsweise ein Reisender im Flugzeug als Passagier, im Hotel als Gast und bei der Bank als Kunde bezeichnet. Das selbe Individuum mit den selben Daten wie Name, Straße, Ort usw. wird abhängig vom Kontext unterschiedlich bezeichnet. Da nicht davon auszugehen ist, dass sich Industrien in ihrem Sprachgebrauch angeleichen werden, verwendet ebXML so genannte „Core Components“, um eindeutige und neutrale Kennungen über unterschiedliche Industrien hinweg zu ermöglichen.

Für die neutralen Kennungen werden bei ebXML so genannte „UID“ (Universal Identifiers) verwendet. Jedes XML-Element bei einer Transaktion erhält eine eindeutige UID. Mit den UIDs wird ein Mapping ermöglicht, so dass Begriffe von einem Geschäftsvokabular in ein anderes übersetzt werden können.

Heißt beispielsweise in einem XML-Dokument für den Industriezweig A ein Element „Listenpreis“ und das entsprechenden Element für den Industriezweig B „Stückpreis“ so kann über eine eindeutige UID die Zuordnung erfolgen.

Listenpreis è UID = 34231 ç Stückpreis

Die Mapping-Tabellen, in denen die Zuordnungen definiert sind, werden auf den Registries bzw. Repositories zur Verfügung gestellt.

Weiter lesen:

XML und EDI / Die Technologie hinter ebXML

Das ebXML-Szenario

 



 

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